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Yeongsanhoesang

#Musik verbindet l 2019-06-12

Musik verbindet


Die koreanische Musik lässt sich grob in zwei Gruppen einteilen: Jeongak정악 oder auch Hofmusik wurde von der Oberschicht genossen. Für die einfachen Leute gab es die Volksmusik. Jeongak zeichnet sich in der Regel durch ein langsames Tempo mit wenigen musikalischen Variationen auf. Hierbei war es nicht das Ziel, die Zuhörer zu bewegen oder zu begeistern, vielmehr sollte eine ruhige und getragene Stimmung verbreitet werden. Die Musik spiegelte die damalige Überzeugung wider, dass Politiker und Gelehrte sich nicht von Emotionen leiten, sondern sich eine rationale sowie reflektive Geisteshaltung aneignen sollten. Dagegen sprühte die Volksmusik nur so vor Emotionen. Freude, Ängste und andere Gefühle wurden in ihren Musikstücken sogar noch weiter verstärkt. Für die einfachen Leute war das ein Weg, um nach ihrer anstrengenden Arbeit die ihnen verbleibende kurze Zeit für Unterhaltung voll und ganz auszuschöpfen. Bei Jeongak werden weiterhin zwei Unterkategorien unterschieden: die bei offiziellen Ritualen und Zeremonien der königlichen Familie aufgeführte Musik sowie die Musik der konfuzianischen Gelehrten, die privat für ihre persönliche Unterhaltung gespielt wurde. Die kulturelle Muße der Gelehrten drückt sich in dem Begriff „Pungryu“ 풍류 aus. Als Pungryu wurde es betrachtet, Tee zu trinken, die schöne Landschaft zu genießen und davon inspiriert zu dichten und zu musizieren. Die während dieser Aktivitäten gespielte Musik wurde dementsprechend Pungryu-Musik genannt. Die wohl bekannteste Pungryu-Musik ist die Instrumentalsuite Yeongsanhoesang. Zurückzuführen ist sie auf einen buddhistischen Gesang mit den sich ständig wiederholenden sieben Wörtern: „Yeongsanhoesangbulbosal” 영산회상불보살. 


Von Yeongsanhoesang gibt es drei Versionen: ein Stück für Streichinstrumente, eine Version für Blasinstrumente und eine weitere für Streich- und Blasinstrumente. Insgesamt setzt sich die Instrumentalsuite Yeongsanhoesang aus neun Sätzen zusammen. Sie beginnt mit dem „Sangnyeongsan“ 상령산 und endet mit „Gunak“ 군악. Der Satz „Sangnyeongsan“ startet mit einem gemächlichen Tempo und nimmt sich etwa 15 Minuten Zeit, bis er zum Schluss kommt. Im Verlauf der nächsten Sätze legt das Tempo jedoch zu, sodass sich gegen Ende des siebten Satzes „Yeombuldodeuri“ 영불도드리 eine ausgelassene Stimmung einstellt. Um dieses Werk in großer Besetzung spielen zu können, erfuhr es eine musikalische Neubearbeitetung. Die neue Adaption namens „Yuchosinjigok“ 유초신지곡 wurde mit der Hyangpiri als zentrales Instrument geschrieben, einer Flöte von beträchtlicher Lautstärke. Mit ihr und der großen Besetzung klingt diese Version prunkvoll und monumental. Die Yeongsanhoesang-Version für Blasinstrumente dagegen wirkt ungezwungener, denn den Musikern steht es frei, je nach benötigter Atempause den Rhythmus oder die Melodie zu verändern. „Yuchosinjigok“ oder die Yeongsanhoesang-Version für Blasinstrumente wurde hauptsächlich am königlichen Hof aufgeführt, während die Version für Streichinstrumente als Pungryu-Musik gespielt wurde. 


Die Musik der konfuzianischen Gelehrten für ihre eigene Unterhaltung nannte man auch „Julpungryu“ 줄풍류. Wenn die Gelehrten alle neun Sätze von Yeongsanhoesang spielten, konnte das etwa eine Stunde in Anspruch nehmen. Nicht selten kamen weitere Stücke hinzu und nach dem Yeongsanhoesang schloss man das Repertoire noch gern mit dem Stück „Cheonnyeonmanse“천년만세 ab, was wörtlich mit „1000 Jahre Freude“ übersetzt werden kann. Volksmusiker sollen ebenfalls an der Musik der Gelehrten Gefallen gefunden haben, weshalb ihre Musik auch als „Mingan-Pungyru“ bzw. „Volkspungryu“ bezeichnet wurde. Anders als Julpungryu weisen die Melodien von Mingan-Pungryu jedoch mehr musikalische Variationen auf.


Musik

  1. „Sangnyeongsan“, gespielt am Geomungo von Park Young-seung und auf der Piri von Lee Seung-hun 영산회상 상령산 / 거문고 박영승, 피리 이승헌
  2. „Samhyeondodeuri“ und „Yeombuldodeuri“, gespielt vom Hofmusik-Ensemble des Nationalen Zentrums für traditionelle koreanische Musik 관악영산회상 삼현도드리, 염불도드리 / 국립국악원 정악단
  3. Schlussteil von „Mingan-Pungryu“, gespielt am Gayageum von Moon Jae-suk, am Daegeum von Hong Jong-jin und am Janggu von Kim Jeong-soo 민간풍류 뒷풍류 / 가야금 문재숙, 대금 홍종진, 장구 김정수

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