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Wie Nordkorea Statistiken erhebt

#Blick auf Nordkorea l 2020-03-19

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ KBS

Um die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in Nordkorea und die Zukunft des Landes besser einschätzen zu können, ist eine Analyse statistischer Daten unerlässlich. In Südkorea legt die staatliche Organisation Statistics Korea verschiedene Berichte vor. Wie werden statistische Daten in Nordkorea erfasst? Dazu sagt Kim Gwang-seop von Statistics Korea:
 

Es gibt in Nordkorea ein nationales statistisches Büro, das Zentralbüro für Statistik heißt. Das Büro unter Aufsicht des Kabinetts sitzt in Pjöngjang. Es hat Zweigstellen in allen Provinzen sowie kleinere Büros in Städten und Kreisen. In den späten 1980er Jahren sandte die Behörde ihre Bevölkerungsdaten an den UN-Bevölkerungsfonds, um Hilfe bei der Volkszählung zu erhalten. Später lieferte sie zurückhaltend statistische Daten an den Internationalen Währungsfonds, das UN-Entwicklungsprogramm und das Welternährungsprogramm, um Unterstützung von den internationalen Organisationen zu erhalten. Seit 2000 war Nordkorea aktiver, Statistiken der internationalen Gemeinschaft zu zeigen. 


Trotz der aktiveren Haltung veweigert Nordkorea einige Aufzeichnungen unter dem Vorwand, dass “geheime” Informationen geschützt werden müssten. So zögert das abgeschottete Land, Militärinformationen herauszugeben:


Bisher schloss Nordkorea seine Soldaten von der Bevölkerungsstatistik aus. Interessanterweise nutzten Forscher die gegebenen Daten, um den Anteil des Militärs an der Bevölkerung zu schätzen. Sie verglichen dabei das verzerrt dargestellte Geschlechterverhältnis in einer bestimmen Altersgruppe für die Rekrutierung mit dem normalen Verhältnis, so dass sie berechnen konnten, wie viele Soldaten das Land hat. Später ergänzte Nordkorea die Daten auf eine Weise, dass die militärischen Zahlen nicht mehr geschätzt werden konnten. In einem Bericht an die UN schrieb Nordkorea, dass 1995 das BIP 4,8 Milliarden Dollar betrug. Es sprach jedoch von 12,8 Milliarden Dollar in einem anderen Bericht an den IWF. Deshalb wird die Verlässlichkeit der Daten angezweifelt. 


Einen großen Teil der Daten über Nordkorea erhält Statistics Korea von internationalen Organisationen. Einige Daten sammelt es auf der Grundlage von Informationen, die das Nachbarland selber vorlegt: 


Statistics Korea veröffentlichte zum Beispiel im Februar Daten über die Reisanbaugebiete in Nordkorea. Das war das erste Mal. Es wurde davon ausgegangen, dass die Daten verlässlicher sind, weil sie unter Auswertung von Satellitenbildern erfasst wurden. In den meisten Fällen gibt es aber Grenzen, wenn Statistiken in Verbindung mit Nordkorea zusammengestellt werden. Um etwa das Wirtschaftswachstum zu analysieren, ist es nötig, die Menge an Gütern und Dienstleistungen sowie ihre Preise einzuschätzen. In der zentral geplanten Wirtschaft Nordkoreas werden die Preise vom Staat festgelegt. Doch die Preise sind anders auf den boomenden Privatmärkten, oder Jangmadang. Wegen des zweifachen Preissystems ist es schwierig, die Wirtschaftsgröße oder die Wachstumsraten zu berechnen. 


Norkorea gibt unter anderem offizielle Zahlen zur demografischen Situation, zu den wirtschaftlichen Bedingungen und zur Nahrungsmittelproduktion heraus: 


Nordkorea führte 2018 zum ersten Mal in zehn Jahren eine Volkszählung durch. Die Bevölkerung lag demnach bei 25,13 Millionen – etwa die Hälfte derjenigen Südkoreas. Was die wirtschaftlichen Indizes betrifft, wurde Nordkoreas Bruttonationaleinkommen von 2018 mit 35,9 Billionen Won, oder etwa 31 Milliarden Dollar, angegeben. Das lag unter dem Wert vom Jahr davor. Das Pro-Kopf-Einkommen erreichte 1,43 Millionen Won, oder 1200 Dollar. Das sind bloß 4 Prozent desjenigen in Südkorea. Nordkorea verzeichnete 2017 und 2018 ein negatives Wachstum. Das Handelsvolumen reduzierte sich 2018 um die Hälfte auf 2,8 Milliarden Dollar. Nordkorea produzierte jedoch mehr Getreide als Südkorea. 


Um die Zusammenarbeit mit Nordkorea zu verstärken, bräuchte Südkorea mehr verlässliche statistische Daten:


Ich denke, Südkorea sollte so viel wie möglich aus den Daten internationaler Organisationen herausholen, die über genügend Finanzmittel verfügen und politisch neutral sind. Was die Statistiken angeht, wäre es für Nordkorea bequemer, eher die internationalen Organisationen zu nutzen als mit Südkorea direkt zu kommunizieren. Die Volkszählung von 2008 wurde in Nordkorea durch den UN-Bevölkerungsfonds mit der Unterstützung Südkoreas durchgeführt. Es wär nötig, diese Art des Austauschs auszuweiten. Falls Südkorea weitere Kooperationsprogramme mit Nordkorea auf dem Gebiet der Statistik durchführen würde, könnten beide Seiten in bestimmten Bereichen ihre Beziehungen verbessern. Sie könnten statistische Erhebungen zusammen erheben. Südkorea wäre es dann möglich, seine Nordkorea-Politik wirksamer umzusetzen.

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