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Nordkorea will Freundschaft zu Russland stärken

#Brennpunkt l 2020-05-21

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ YONHAP News

Angesichts des Stillstands in den Nuklearverhandlungen mit den USA versucht Nordkorea, nicht nur seine Beziehungen zu China, sondern auch zu Russland zu verbessern. Am 9. Mai berichtete die offizielle Zeitung Rodong Sinmun, Machthaber Kim Jong-un habe zum 75. Jahrestag des Siegs der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg Glückwünsche an den russischen Präsidenten Wladimir Putin geschickt. Zum Thema sagt der politische Kommentator Lee Jong-hoon. 


In der Botschaft würdigte Kim Russland dafür, einen großen Sieg im Krieg gegen den Faschismus errungen zu haben. Er sagte, dass Nordkorea und Russland eine Freundschaft mit Gefühlen der Kameradschaft im heiligen Krieg gegen gemeinsame Feinde etabliert habe. Er deutete damit die engen militärischen Beziehungen zwischen beiden Ländern an. Er wünschte Putin und seinem Volk einen sicheren Sieg im Kampf um ein starkes Russland und gegen die Covid-19-Pandemie. Kim ist offensichtlich bemüht, näher an China und Russland heranzurücken. 


Am 17. Mai hob die nordkoreanische Propaganda-Website DPRK Today die Freundschaft zwischen Pjöngjang und Moskau hervor. Beide Länder würden ihre Beziehungen künftig vertiefen: 


Ich denke, Nordkorea denkt über die Möglichkeit nach, die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Einige Experten sagen, ein drittes Gipfeltreffen Nordkorea-USA könnte schon bald stattfinden, da US-Präsident Donald Trump zuletzt positive Signale an Nordkorea gesendet habe. Im Umgang mit Washington benötigt Pjöngjang einige Hebel. Bisher setzte es auf militärische Provokationen, darunter Starts von Langstreckenraketen und Atomtests. Doch diese extremen Aktionen sind nicht mehr effektiv. Nordkorea hat keine andere Wahl, als die Diplomatie zu bemühen. Daher will es die Beziehungen mit den USA verbessern, indem es China und Russland benutzt. Außer diesem politischen Zweck will Nordkorea den Handel mit Russland rasch wiederherstellen. Der bilaterale Handel war wegen des Covid-19-Ausbruchs stark geschrumpft. 


Nordkoreas Exporte nach Russland erreichten im Februar wertmäßig nur noch 8000 Dollar. Das war ein Rückgang um 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus vorliegenden Daten hervor: 


Nordkoreas Exporte nach Russland beliefen sich im Januar auf 140.000 Dollar, ein erheblicher Rückgang von den 196.000 Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für Nordkorea ist Russland der zweitgrößte Handelspartner nach China. Auch schickte Nordkorea Arbeiter nach Russland, um sich Devisen zu beschaffen. Doch auch dieser Teil ist wegen der Covid-19-Krise schwierig. Pjöngjang will dringend den Handel mit Russland wiederherstellen. 


Kim und Putin hielten ihr erstes Treffen im April 2019 in Wladiwostok im Fernen Osten ab. Danach stärkten sie ihre Zusammenarbeit. Auch hatten beide Länder einen Austausch zwischen hochrangigen Militärvertretern und im wirtschaftlichen Bereich. Im November besuchte die damalige erste nordkoreanische Vizeaußenministerin Choe Son-hui Moskau, um über die strategische Kooperation und regionale wie internationale Angelegenheiten zu reden. Das war das erste Mal, dass beide Seiten Gespräche in Form eines “strategischen Dialogs” führten: 


Man kann sagen, dass Russland die entscheidende Rolle bei der Geburt des nordkoreanischen Regimes gespielt hat. Als Truppen der Sowjetunion die nördliche Hälfte der koreanischen Halbinsel nach der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft besetzt hatten, wurde Kim Il-sung, der in militärischen Aktivitäten unter der Sowjetunion engagiert war, zum Anführer Nordkoreas ausgewählt. Auch lieferte die Sowjetunion Waffen an Nordkorea während des Korea-Kriegs. Für Kim Jong-un ist es jetzt nötig, Russland zu benutzen, um die Beziehungen zu China wieder zu stärken. Nordkorea verfolgt eine Diplomatie der Äquidistanz zwischen China und Russland. 


Im wirtschaftlichen Bereich kann Nordkorea durch eigene Arbeitskräfte in Russland Devisen einnehmen. Auch helfen sie Russland, die Arbeitskosten zu drücken: 


Nordkoreaner arbeiten in Russland in verschiedenen Bereichen, darunter in Holzfällerlagern, auf Baustellen und in Landwirtschaftsbetrieben. Nordkorea hofft, mehr Arbeiter zu schicken, um Fremdwährungen einzunehmen. Russland wiederum ist daran interessiert, über Nordkorea sein Gas an Südkorea zu liefern. Darum lenkt es seine Aufmerksamkeit auf ein Projekt zur Verbindung der Trans-Sibirischen Eisenbahn mit einem innerkoreanischen Schienennetz. 


Nordkorea versucht auch, für seine Position in den Verhandlungen mit den USA die Unterstützung Russlands zu gewinnen: 


Nordkorea braucht China und Russland als Unterstützer. Beide Länder, die als ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat Vetorecht haben, können sicherlich dazu beitragen, dass die Sanktionen gegen Nordkorea gelockert werden. Für diese Initiative könnten China und Russland im Sicherheitsrat zusammenarbeiten, falls die Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA sich verbessern.


Was wäre für Südkorea in dieser Situation zu tun? 


Südkorea sollte wie immer wachsam bleiben, wenn sich die Beziehungen Nordkoreas zu China und Russland verbessern. Anders als früher hängen China und Russland stärker wirtschaftlich von Südkorea ab. Das könnte Seoul nutzen. Indem es die Beziehungen zu beiden Ländern nutzt, könnte es seine eigenen Beziehungen zu Nordkorea verbessern.

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