Zum Menü Zum Inhalt

Turbulenzen in Koreas Luftfahrtindustrie

#Thema der Woche l 2019-04-22

Wirtschaft Aktuell

© YONHAP News

Die beiden größten südkoreanischen Fluggesellschaften, Korean Air und Asiana Airlines, gehen durch schwierige Zeiten. Das könnte auch Auswirkung auf die gesamte Branche im Land haben. Zum einen zwang der Tod des Vorsitzenden von Korean Air und der Muttergesellschaft Hanjin Group, Cho Yang-ho, am 8. April die Fluglinie dazu, ein Notfallmanagement einzusetzen. Zum anderen entschied die Kumho Asiana Group, wegen Finanzproblemen ihre Tochter Asiana Airlines zum Verkauf freizugeben. Zum Thema sagt der Direktor des Real Good Economic Institute, Lee In-chul: 


Die Kumho Asiana Group entschied, ihre wichtigste Tochter Asiana Airlines, auf die 60 Prozent des jährlichen Konzernumsatzes entfallen, zu verkaufen. Grund ist ihre schlechter werdende Finanzlage. Der größte Eigner von Asiana Airlines ist Kumho Industrial, die wiederum mehrheitlich Kumho Buslines gehört. Durch Kumho Buslines kontrollierte der frühere Konzernchef Park Sam-koo die gesamte Gruppe. Asiana Airlines hat sechs Tochterfirmen, darunter auch die Billigfluglinien Air Busan and Air Seoul. Die Gruppe will nun die Airline zusammen mit ihren Töchtern verkaufen. Der wichtigste Kreditgeber des Konzerns, die Korea Development Bank, begrüßte die Entscheidung. Sie sagte, dass sie nur dann finanzielle Hilfe geben kann, wenn der Konzern sich von Asiana Airlines und deren Töchterfirmen im Paket trennt. 


Asiana Airlines ist hinter Korean Air die zweitgrößte Fluggesellschaft des Landes. Warum muss die Kumho Group, die vor allem im Transportbereich tätig ist, ihre wichtigste Tochterfirma verkaufen? 


Der Ärger begann, als der frühere Vorsitzende Park Sam-koo 2006 den Kauf von Daewoo Engineering and Construction und 2008 den Erwerb von Korea Express durchgesetzt hat. Die Angebotspreise  lagen bei mehr als 6 Billionen Won oder 5,4 Milliarden Dollar beziehungsweise 4 Billionen Won oder 3,6 Milliarden Dollar. Die Lage verschlechterte sich mit der globalen Finanzkrise 2009. Die Managementrechte wurden von der staatlichen Korea Development Bank übernommen. Die Gruppe schaffte es, ihre Finanzstruktur durch den erfolgreichen Wiederkauf von Kumho Industrial 2015 zu verbessern. Doch ging sie so weit, eine Billion Won aufzubringen, um einen Kontrollanteil an Kumho Tire zu erwerben. Sie mobilisierte dafür selbst ihre Töchter einschließlich Asiana Airlines. Die Käufe verursachten konzernweite Zahlungsengpässe. Die Rückschläge setzten sich fort. Im vergangenen Jahr führte eine unerwartete Knappheit an Flugmahlzeiten bei Asiana Airlines dazu, dass einige internationale Flüge abgesagt werden mussten. In diesem Jahr äußerten die Wirtschaftsprüfer ihre negative Meinung über die Finanzlage der Airline. 


Vor allem wird ein ineffektives Management, das vom übermäßigen Expansionsdrang stammt, für die Finanzprobleme der Gruppe verantwortlich gemacht. Sie hat Schwierigkeiten, in diesem Jahr fällige Schulden in Höhe von einer Billion Won zurückzuzahlen, weshalb Asiana Airlines jetzt verkauft werden muss. 


Bei Korean Air oder KAL wiederum drohen jetzt Probleme beim Transfer der Kontrolle vom verstorbenen Konzernchef Cho Yang-ho auf dessen Sohn und Firmenpräsident Cho Won-tae. Der Sohn müsste bei der Übernahme der von seinem Vater gehaltenen Anteile an Hanjin KAL Erbschaftssteuern zahlen: 


Die Erbschaftssteuern liegen schätzungsweise zwischen 170 Milliarden und 200 Milliarden Won, oder etwa 150 Millionen bis 180 Millionen Dollar. Es wird für den Nachfolger an der Spitze der Hanjin-Gruppe aus der dritten Generation nicht einfach sein, einen so hohen Betrag aufzubringen. Darüber hinaus muss der jüngere Cho noch mehr Anteile kaufen, zusätzlich zu den ererbten, um die Unternehmensführung zu stärken. Auch gibt es Widerstand durch den lokalen Fonds Korea Corporate Governance Improvement, der Hanjin KALs zweitgrößter Eigner ist. Hanjin KAL ist die Holdingfirma der Hanjin Group, zu der unter anderem Korean Air, Jin Air und andere Unternehmen gehören. Cho Senior hielt zum Zeitpunkt seines Todes 17,84 Prozent an Hanjin KAL. Der gesamte Anteil der Cho-Familie und ihren engsten Helfern liegt bei weniger als 29 Prozent. Weil die Neuernennung eines Inside-Direktors eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Gesellschafter erfordert, müsste sich Cho Junior einen Anteil von 34 Prozent sichern. 


Die Krise sowohl bei Asiana Airlines wie auch Korean Air werden zum größten Teil auf das sogenannte Inhaberrisiko oder „owner risk“ zurückgeführt, das von dem Misstrauen der Investoren gegenüber dem Management herrührt: 


Ich denke, die Probleme der beiden Fluggesellschaften haben viel mit dem owner risk zu tun. Im Fall von Korean Air hatten Skandale wegen des unangemessenen Verhaltens der Inhaberfamilie gegenüber Untergeordneten und Misshandlungen einen Bumerang-Effekt, der das Management zum Risiko machte. Die Probleme der Kumho Asiana Group zeigen deutlich, dass ein Unternehmen wegen des rücksichtslosen und ungeprüften Urteils des Eigners in eine ernsthafte Krise geraten kann. Der Verwaltungsrat schaffte es nicht, den Eigner zu kontrollieren, obwohl dieser die falschen Entscheidungen traf.  


Die bevorstehenden Veränderungen bei den beiden Fluggesellschaften könnten von der Industrie auch als ein positives Signal gewertet werden: 


Vom Standpunkt des Unternehmers haben Korean Air und Asiana Airlines gut abgeschnitten. Die positive Reaktion des lokalen Aktienmarkts auf die Nachricht über den Verkauf von Asiana Airlines zeigt, dass die Investoren eine gute Entwicklung erwarten. Angesichts der steigenden Nachfrage für Flugreisen wird der weltweite Markt für die Luftfahrt in den nächsten 20 Jahren wohl um 3,6 Prozent wachsen. Das ist ein relativ großes Wachstum. 


Die Erwartungen sind hoch, dass Korean Air seine Führungsstruktur verbessert und dass der Verkauf von Asiana Airlines hilft, die Risiken bei der Kumho-Gruppe zu verringern.

Die Redaktion empfiehlt