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Schamanistische Ritualmusik

#Musik verbindet l 2020-02-26

Musik verbindet


Mit dem Begriff „Gut“굿 werden koreanische schamanistische Rituale zusammengefasst, die einst als Aberglaube abgetan und sogar abgeschafft werden sollten. Heute gelten sie als immaterielles Kulturerbe und stehen unter nationalem Schutz. In Korea wird nun „Gut“ als eine Lebensphilsophie gesehen, mit der man in der Vergangenheit versuchte, die Natur, die Welt und ihre Menschen darin zu verstehen. Es ist eine unleugbare Tatsache, dass die Tänze und Musik, die diese Rituale begleiteten, auf die darstellenden Volkskünste in Korea einen großen Einfluss hatten. Junge Musiker von heute ließen sich von den koreanischen schamanistischen Ritualen inspirieren und schufen so verschiedene Arten von Musik, die wegen ihrer Besonderheit und Einzigartigkeit als etwas spezifisch Koreanisches nicht nur im eigenen Land, sondern auch im Ausland das Interesse wecken konnte. 


Mit dem „Yeongjeonggeori 영정거리“ sollen böse Geister gebannt werden. Wird ein schamanistisches Ritual bzw. „Gut“ durchgeführt, so wird für gewöhnlich eine Gottheit eingeladen, die man mit leckerem Essen bewirtet und mit unterhaltsamen Darbietungen bei Laune hält. Vor dem Eintreffen eines so besonderen Gasts muss zunächst jedoch das Haus, in dem das Ritual abgehalten wird, einer gründlichen Säuberung unterzogen werden. Erst danach können die bösen Geister von der Schamanenpriesterin mit Hilfe der Gottheiten vertrieben werden. Im „Yeongjeonggeori“ bittet die Schamanin deshalb um göttlichen Beistand.


Im alten Korea glaubte man, jeder Raum im Haus stehe unter dem Schutz einer Gottheit. Selbst für die Toilette und den Schornstein war jeweils eine andere Gottheit zuständig. Auch solchen weniger prominenten Gottheiten oder auch den bösen Geistern gegenüber durfte man während eines „Gut“ es nicht an Respekt fehlen lassen. Mit Essen und Liedern sollten sie beschwichtigt werden, bevor man sie aus dem Haus verbannte. Die Gruppe Akdan Gwangchil악단광칠 wurde im Jahr 2015 gegründet, in dem Korea das 70-jährige Jubiläum seiner Unabhängigkeit von der japanischen Kolonialherrschaft feierte. Ihre Stücke wurde vor allem von der schamanistischen Musik und den Volksliedern aus der Provinz Hwanghae beeinflusst.


Der Name der Musikgruppe „Baraji“바라지 leitet sich von einem koreanischen Wort für „unterstützen“ ab, und er bezieht sich im „Gut“ auf die Musiker, die eine Schamanenpriesterin bei ihrem Gesang assistieren, sowie auf ihre Musik. Baraji wurde von verschiedenen religiösen Musikstilen wie die Gut-Musik aus der Provinz Gyeonggi und der Ostküste sowie von buddhistischen Liedern inspiriert. Ihre musikalischen Wurzeln liegen allerdings in den schamanistischen Ritualen der Insel Jindo. Ein erstaunlicher Umstand ist, dass viele der Mitglieder selbst von einer langen Linie von Schamanen abstammen. Als Vorbild für ihr Stück „Baraji-Gebet“ diente ein Reinigungsritual von Jindo. Dieses Gut reinigt den Geist der Verstorbenen und wünscht ihnen, dass sie den Zutritt ins Paradies erlangen. Bevor jedoch die Toten verabschiedet werden können, muss ebenso sichergestellt werden, dass die Lebenden gesund und bei klarem Verstand sind, damit sie sich über einen langen Zeitraum der Toten erinnern können. Deshalb wird vor dem Reinigungsritual für die Lebenden das Jeseok-gut제석굿 abgehalten. Damit wird der Gottheit Jeseok제석 Ehrerbietung gezeigt, denn diese Gottheit, so glaubte man, entscheide über die Lebensspanne und das Schicksal der Nachkommen.


Das nächste Stück führt in die Region Gyeonggi und es handelt sich dabei um die schamanistische Ritualmusik Pusal푸살. Man glaubte, böse Geister seien imstande, einen bestimmten Ort oder eine Person mit einem Fluch zu belegen, der jedoch mit einem Pusal-Ritual aufgehoben werden konnte. Das letzte Musikstück gehört zu einer Reihe von „Gut“, die bei der Segnung eines neuen Hauses oder eines Dorffestes anlässlich eines frohes Ereignisses durchgeführt wurde. Die vorgestellte Version von „Pusal“ ist auf dem Album von Samulnori-Meister Kim Deok-su김덕수 zu hören. Das Album trägt den Titel „Cheongbae“청배, was soviel bedeutet wie „Verehrung einer Gottheit“, und präsentiert schamanistische Ritualmusik aus verschiedenen Regionen des Landes. Die ersten beiden Monate des Jahres 2020 sind bereits ins Land gezogen. Entledigen wir uns mit dem Stück „Pusal“ von schlechter Energie und starten mit einem frischen und positiven Geist in den kommenden Frühling.


Musik 

  1. „Yeongjeonggeori“, dargeboten von Akdan Gwangchil 영정거리 / 연주 악단광칠
  2. „Baraji-Gebiet“, dargeboten von Baraji 바라지 축원 / 바라지
  3. „Pusal“, dargeboten von Kim Deok-su und anderen 푸살 / 연주 김덕수와 여러분

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