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Heutzutage ist das Haegeum ein von vielen hoch geschätztes Instrument. Früher allerdings war das Haegeum ein bevorzugtes Instrument der Bettler, die mit ihrem Spiel die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen konnten. In alten Aufzeichnungen wird der Klang der Haegeum mit Mückengesumme verglichen oder mit einem alten Paar, das erbittert um Geld und Essen streitet. Daraus kann man ableiten, dass das Haegeum damals nicht hoch angesehen war. In jenen Tagen gab es jedoch einen Haegeum-Virtuosen namens Yoo Woo-choon유우춘. Er war ein Hofmusiker, dessen Bekanntheitsgrad Musikliebhaber aus allen Ecken des Landes anzog, die ihn spielen hören wollten. Eines Tages fragte ein junger Mann Yoo, wie er auf Personen reagierte, die auf ihn herabsahen, weil er auf ein so gering geachtetes Instrument spielte. Yoo soll folgende Antwort gegeben haben:


Ich heiratete drei Jahre, nachdem ich mit dem Haegeum-Spielen begonnen hatte. An all meinen Fingern hatte ich Schwielen. Doch auch als sich mein Spiel verbesserte, brachte mir das weder mehr Geld noch Anerkennung ein. Dagegen schaffte es ein Bettler, der nur für ein paar Monate auf einem minderwertigen Haegeum spielte, eine Menschenmenge um sich zu scharen und täglich mehr als einen Scheffel Reis zu verdienen. Das ging, weil viele Menschen Gefallen daran fanden.


Damit wollte er wohl andeuten, dass die klassische Musik für ein Publikum, das die Musik nicht wertzuschätzen weiß, nicht besser sei als die ungeschliffene Aufführung eines Bettlers. Es scheint, dass die Künstler zu jener Zeit nicht in vollem Ausmaß gewürdigt wurden, so wie viele Künstler heute. Yoo sagte weiter, dass viele kamen, um ihn spielen zu sehen. Doch sie kamen nur wegen seines Ruhmes, nicht weil sie wirklich die Haegeum-Musik verstünden oder sich daran erfreuten. Und er machte sich lustig über die konfuzianischen Gelehrten, die sich als Musikliebhaber präsentierten. 


In der Vergangenheit bevorzugten Bettler das Haegeum, weil das Instrument leicht und einfach zu tragen war. Außerdem erlaubte es ein weites Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten. Das Haegeum besitzt nur zwei Saiten und wird gespielt, indem mit der linken Hand auf die Saiten gedrückt wird, während mit der rechten Hand ein Bogen über die Saiten gestrichen wird. Anders als beim Gayageum oder Geomungo besitzt das Haegeum keine beweglichen Stege, weshalb ein Spieler dem Instrument Töne entlockt, indem er die Finger auf die Seiten drückt. Verschiedene Ausdrücke sind möglich, indem mit dem Bogen der Druck verändert wird. Der erzeugte Klang mag sich rau und jammernd anhören, doch gerade dieser Klang unterscheidet das Haegeum von anderen Saiteninstrumenten. 


Das Haegeum kann mit westlichen Saiteninstrumenten wie der Violine oder Viola verglichen werden, da ein Bogen über die Saiten gestrichen wird. Die traditionellen koreanischen Saiteninstrumenten wie das Gayageum oder Geomungo weisen eher kurze Klänge auf, da die Saiten mit den Fingern gezupft werden. Das Haegeum besitzt einen nachhallenden Klang, wie die Blasinstrumente Daegeum oder Piri. Oft wirkt das Haegeum in kleinen Musikensembles mit, um die Klänge der unterschiedlichen Instrumente abzurunden. Den größten Beitrag für die wachsende Popularität von Haegeum in den letzten Jahrzehnten leistete die Haegeum-Virtuosin Jeong Soo-nyun정수년. Die von ihr gespielten Haegeum-Stücke zeichnen sich durch einen sanften und weichen Klang aus, der sich von der traditionell eher rauen und scharfen Klangfarbe des Instruments unterscheidet. Damit entspricht sie dem modernen Geschmack und folgt dem Wandel der Zeit. 


Musik

  1. 1. und 2. Satz von „Sangryeongsan“, gespielt am Haegeum von Yang Kyung-sook 상령산 1장, 2장 / 해금 양경숙
  2. Haegeum-Sanjo im Stil von Jee Young-hee, gespielt am Haegeum von Lee Dong-hoon und am Janggu von Kim Chung-man 지영희류 해금산조 중 중중모리 / 해금 이동훈, 장구 김청만
  3. „Leere“, geschrieben von Yang Jun-ho, gespielt am Haegeum von Jeong Soo-nyun공(空)/ 작곡 양준호, 해금 정수년

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