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Wirtschaft

Südkorea legt 2020 Priorität auf “innovatives Wachstum”

#Thema der Woche l 2020-02-24

Wirtschaft Aktuell

© YONHAP News

Am 17. Februar legten vier südkoreanische Minister für den Handels- und Wirtschaftsbereich einen gemeisamen Plan vor, wonach die Priorität in diesem Jahr auf innovatives Wachstum und die Schaffung neuer Industriezweige gelegt werden soll. Über die Wirtschaftspolitik der Regierung sagt der Ökonomieprofessor Choi Bae-geun von der Konkuk-Universität:


Das einkommensgesteuerte Wachstum ist die Leitpolitik der Regierung von Moon Jae-in. Eine faire Wirtschaft und innovatives Wachstum sind die zwei wichtigsten Mittel, dieses Ziel zu erreichen. Die Regierung hat sich vor allem auf eine faire Wirtschaft konzentriert, indem sie bisher Arbeitskräfte mit geringem Einkommen unterstützt hat. Doch jetzt hat sie realisiert, dass es schwierig sein wird, ihre Wirtschaftspolitik ohne innovatives Wachstum fortzusetzen. Allein mit einer fairen Wirtschaft kann die Politik einen Schritt nach vorn machen, aber keine weiteren Fortschritte erzielen.


Bisher hat die jetzige Regierung die Einkommen von privaten Haushalten erhöht, die vom wirtschaftlichen Wachstum eher wenig profitierten, um damit die wirtschaftliche Fairness zu verbessern. Doch angesichts der Anzeichen für ein langsamer werdendes Wachstum aufgrund zurückgehender Exporte und Investitionen sowie eines schwächeren Verbrauchs lenkt die Regierung jetzt den Schwerpunkt auf innovatives Wachstum:


Die koreanische Wirtschaft hing stark vom produzierenden Gewerbe ab. Doch die Industrie kann die Produktion nicht mehr erhöhen, und sie kann nur noch Arbeitsplätze abbauen. Der Produktionssektor steckt schon seit längerem in der Krise. Das Land braucht etwas, was die Industrie ersetzen kann. Als Alternative schlägt die Regierung vor, die sogenannte DNA-Industrie zu fördern. Damit sind Daten, Netzwerke und die künstliche Intelligenz (KI) sowie neue Industriezweige gemeint, die Systemhalbleiter und Biogesundheit einschließen. Vor allem Speicherchips haben das Wachstum des Landes angetrieben. Doch man muss sich auf die Zeit danach vorbereiten. Ein Plan der Regierung sieht jetzt vor, den Bereich von Nicht-Speicher-Systemhalbleitern stärker zu fördern.


Das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen propagiert die “4 plus 1”-Strategie. Erstens, es will Innovation in die bestehenden Industriezweige und Märkte einbringen. Zweitens, neue Industrien und Märkte sollen erschlossen werden. Drittens, innovative Technologien sollen sichergestellt und die Forschung und Entwicklung vorangetrieben werden. Und viertens, neue Talente sollen ausgebildet und der Finanzbereich erneuert werden. Um diese vier Initiativen umzusetzen, sollen entsprechende Systeme und die Infrastruktur verbessert werden. Genauer: es sollen intelligente Technologien auf die Industrie angewandt, die Datenwirtschaft erneuert sowie die Steuervorteile und Investitionen in die Kommunikationsnetze der fünften Generation (5G) und in die Forschung und Entwicklung auf 22 Milliarden Dollar erhöht werden:


Die amerikanische Wirtschaft wird von prominenten Technologieunternehmen, die als FAANG bekannt sind, repräsentiert. Das bezieht sich auf Apple, Amazon, Netflix und Google. Im 20. Jahrhundert wurde die US-Wirtschaft von der herstellenden Industrie angeführt. Doch General Electric, der ikonische US-Produzent, wurde 2018 aus dem Dow Jones Industrial Average genommen, was einen radikalen Wechsel auf der Industrielandkarte andeutete. Seine Stellung wurde von Plattform-Firmen eingenommen, die ein neues digitales Ökosystem aufgebaut haben. Industriebeobachter sagen, Korea sollte dem Beispiel folgen.


Südkorea hängt weiter vom produzierenden Gewerbe ab. Doch die Industrie verliert ihre Wettbewerbsfähigkeit. Der Marktanteil von koreanischen Gütern im Ausland, mit Ausnahme von Chips, hat in den vergangenen Jahren stagniert. Korea braucht daher neue Wachstumsmotoren:


Neue Technologien bringen neue Produkte und Industriezweige hervor, die neue Märkte schaffen. Doch es könnte zum Konflikt mit existierenden Produkten kommen. Eine gründliche Deregulierung ist daher vonnöten, damit sich neue Technologien etablieren und aufblühen können, so dass sie neue Industriezweige und Jobs schaffen.


Als Teil ihrer Deregulierungspläne schlug die koreanische Regierung ein sogenanntes “One step”-Modell vor, bei dem die betroffenen Menschen oder Industrien einen Schritt zurückmachen, um einen Kompromiss zu erzielen. Um das innovative Wachstum anzutreiben, will die Regierung unter voller Ausnutzung des Budgets, der Besteuerung, der Finanzen und Arbeitskräfte die entsprechende Infrastruktur erweitern:


Die Regierung hat die Richtung ihrer Politik genau vorgegeben. Doch wird es eine Herausforderung sein, Wachstum durch Innovation zu fördern und ein neues wirtschaftliches Ökosystem zu kreieren, das sich von der bisherigen herstellenden Industrie komplett unterscheidet. Die Schaffung eines neuen Ökosystems ist alles andere als einfach. Die relevanten politischen Vorgaben sollten systematisch auf der Basis des vollen Verständnisses des neuen Ökoystems realisiert werden. Der Schlüssel wird sein, wie klar die Regierung die Situation durchschaut und wie systematisch sie den Plan umsetzt.

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