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Kultur

Der Universalgelehrte Hong Dae-yong

#Musik verbindet l 2019-07-03

Musik verbindet


Hong Dae-yong홍대용 war ein Gelehrter der Silhak실학-Schule des „Praktischen Lernens“, deren Anhänger sich vor allem mit praktischen und gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigten. Als Naturwissenschaftler hatte er bereits vor der Einführung des heliozentrischen Weltbilds von Kopernikus in Korea die Konzepte der Erdrotation und der Unendlichkeit des Weltalls vertreten. Sein Interesse galt aber nicht nur den Naturwissenschaften, sondern auch der Musik. So entwickelte er eine neue Spieltechnik für das Saiteninstrument Yanggeum양금, das mit Stahlsaiten versehen war und ursprünglich aus China stammte. Dort kamen nämlich diplomatische Gesandte aus Joseon mit dem Instrument zum ersten Mal in Berührung. So begeistert waren sie von dem Klang, dass sie mit dem Yanggeum im Gepäck nach Korea zurückkehrten. Zurück im eigenen Land wusste man allerdings nicht, wie man auf dem Instrument spielen oder es in die koreanische Musik einbinden sollte. Hong Dae-yong gelang es schließlich das Instrument für die koreanische Musik spielbar zu machen. Kurz darauf fand das Yanggeum große Verbreitung und wurde vor allem für schnelle, schwungvolle Musik eingesetzt. Auch heute noch kann man es in neuen Musikstücken hören. 


Über die bedeutende Rolle von Hong Dae-yong bei der Einführung des Yanggeum in Korea schrieb der angesehene Schriftsteller Bak Ji-won박지원, der auch ein Freund von Hong Dae-yong war. Der Autor und Philosoph Bak war bekannt für seine detaillierte Beobachtungsgabe von alltäglichen Begebenheiten. Den Moment, als er zum ersten Mal das Yanggeum spielen hörte, beschreibt er wie folgt:


Hong Dae-yong gelang es, das Yanggeum für die koreanischen Melodien spielbar zu machen. Es war der 18. Juni 1772. In einem Pavillon sitzend genoss ich die musikalische Darbietung, die von 17 bis 21 Uhr dauerte. Klein, aber fein war die Vorstellung, und da es das erste Mal war, versuchte ich diesen Moment bis ins kleinste Detail im Gedächtnis zu behalten.


Hong Dae-yong war bekannt dafür, ein ausgezeichneter Geomungo- sowie Gayageum-Spieler zu sein. Häufig besuchten ihn Musiker, um mit ihm gemeinsam zu musizieren. Der Silhak-Gelehrte Sung Dae-jung성대중 beschrieb ein Konzert in Hongs Sommersitz Yuchunoh유춘오 wie folgt:


Hong Dae-yong hatte das Gayageum vor sich, Hong Gyeong-seong홍경성 griff zum Geomungo, Lee Han-jin holte das Tungso aus dem Ärmel hervor, Kim Eok 김억 zog das Yanggeum näher zu sich heran. Der Hofmusiker Boan보안 kam mit dem Saenghwang. Sie alle hatten sich in Hong Dae-yongs Landhaus Yuchunoh versammelt. Yu Hak-jung유학중 sang schwungvolle Lieder und Kim Yong-gyeom김용겸 saß als Ältester am Kopf der Versammlung. Alle waren bereits leicht vom Weine berauscht, und so klangen nun die Instrumente im Spiel zusammen. Weit lag der Berg hinter dem Haus, still war der Mittag, die Treppe bedeckt von herabgefallenem Laub.


Die Musiker spielten nicht für ein Publikum, sondern musizierten im Kreis von Freunden zur eigenen Unterhaltung. Das Konzert im Yuchunoh gefiel dem ältesten Anwesenden Kim Yong-gyeom so sehr, dass er sich vor den Musikern tief verbeugte, um ihnen für die wunderbare Musik zu danken. In einer anderen Anekdote über Hong Dae-yong heißt es, dass er während eines China-Besuchs in Beijing in einer katholischen Kirche eine westliche Kirchenorgel spielen hörte. Fasziniert von diesem neuartigen Instrument erzählte er seinem Freund Bak Ji-won davon. Als Musikliebhaber und Naturwissenschaftler hatte Hong sicher einen näheren Blick auf die Kirchenorgel geworfen. Hätte man ihn damals in Joseon den Auftrag gegeben, so eine Orgel nachzubauen, dann würde die koreanische Musik heute sicher anders klingen. 


Musik

  1. „Vorbeiziehender Regen“, komponiert von Park Ji-ha, gespielt von Su:m Passing Rain  / 작곡 박지하, 편곡 및 연주 숨
  2. „Hwaryudongpung“, gespielt von The Forest 화류동풍 / 연주 그림
  3. „Seodongyo“, gespielt auf dem Saenghwang von Kim Hyo-young 서동요/ 생황 김효영

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