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Kultur

Bbaendeoks Mutter aus dem Pansori Simcheongga

#Musik verbindet l 2020-07-08

Musik verbindet


In der Vergangenheit bewerteten die Pansori-Sänger die Pansori-Stücke jeweils unterschiedlich. Das Pansori Jeokbyeokga적벽가 – oder auf Deutsch übersetzt das „Lied vom roten Felsen“ – basiert auf dem chinesischen historischen „Roman von den Drei Reichen“ und wurde von ihnen als hochklassiges Pansori-Stück angesehen, während dem Pansori Simcheongga심청가 im Vergleich dazu ein niedrigerer Wert zugesprochen wurde. Denn anstelle von historischen Heldenfiguren dreht es sich in der Geschichte der Simcheong um das Elend und Leid der einfachen Leute. So beginnt die Erzählung mit dem Tod von Simcheongs Mutter im Kindesbett. Am Ende der Geschichte wird Simcheong zur Kaiserin gekrönt und ihr blinder Vater erlangt seine Sehkraft zurück. Bis es dazu allerdings kommt, müssen die Hauptfiguren so manche Schwierigkeiten durchstehen, die einem mitfühlenden Publikum Tränen der Trauer und Frustration in die Augen treiben dürften. Doch an einer Stelle können die Sänger und das Publikum auflachen, und zwar, wenn Bbaengdeoks Mutter in Erscheinung tritt. Als Simcheongs Vater erfährt, dass sich seine Tochter angesichts ihrer finanziellen Notlage als Opfergabe für den Seegott verkauft hat, überkommen den Vater Schuldgefühle und er bricht weinend zusammen. Da nähert sich ihm die Mutter von Bbaengdeok. Sie hat es auf das Geld abgesehen, das der Vater von den Seeleuten im Gegenzug für Simcheongs Leben erhalten hat. Beschrieben wird sie als starke Esserin sowie Trinkerin mit einer Vorliebe für Fleisch und Reiskuchen. Zudem besitzt sie weder Ehr- noch Schamgefühl. 


Im Pansori heißt es weiter, dass Bbaengdeoks Mutter flucht, im Schlaf mit ihren Zähnen knirscht, den vorbeigehenden Leuten Zigaretten abschwatzt und lauthals „Feuer“ ruft, um Neuvermählte in ihrer Nachtruhe zu stören. Gezeichnet wird ein Mensch mit bösartigem Charakter. Doch von ihrem schlechten Ruf ahnt Simcheongs Vater nichts und er zieht mit ihr zusammen. Sein gesamtes Geld gibt sie dann für das Essen aus und am Ende brennt sie mit einem anderen Mann durch, als sie und Simcheongs Vater ein Fest für Blinde besuchen. Zurück lässt sie einen armen, alten blinden Mann, der an einem fremden Ort plötzlich allein auf sich gestellt ist. Der Grund für dieses treu- und schamlose Verhalten von Bbaengdeoks Mutter, die stark von dem Ideal der züchtigen Frau der Joseon-Zeit abweicht, wird im Pansori nicht näher erklärt. Womöglich war ihre Figur nicht wichtig genug, um ihr mehr Platz in der Erzählung einzuordnen. Eine Vermutung kann man allerdings aufstellen. In der Joseon-Zeit hatten die Witwen kein leichtes Los. So sollten sie bis zu ihrem Tod enthaltsam sein und durften auch keine auswärtige Arbeit annehmen. Hatte man Glück und wurde in eine Familie der Oberschicht geboren, konnte man auch nach dem Tod des Mannes ein komfortables Leben führen. Die einfachen Leute wie Bbaengdeoks Mutter hingegen mussten um ihr Überleben kämpfen, weshalb ein Sinn für Anstand oder Scham von ihnen wohl eher als Luxus gesehen wurde, den sie sich nicht leisten konnten. In jungen Jahren als Witwe mit kleinen Kindern zu enden hat sicher zu dem rücksichtslosen Verhalten von Bbaengdeoks Mutter beigetragen. Ihre Geschichte weckte bei nicht wenigen weitere Neugier und inspirierte sie zu neuen Liedern und Filmen. 


Vor einigen Jahren erschien der Film „Madam Bbaengdeok“. Dabei handelte es sich um eine moderne Adaption der „Erzählung von Simcheong“심청전, in der Bbaengdeoks Mutter auf Rache sinnt, nachdem der Universitätsprofessor Sim Hak-gyu심학규 sie verlassen hat. Es gibt auch eine märchenhafte Erzählung mit dem Titel „Bbaengdeoks Tränen“, in der Bbaengdeok als Hauptfigur auftritt. In der Geschichte lautet aber sein echter Name Byeongdeok병덕. Sein Vater wird des Verrats angeklagt, weshalb Mutter und Sohn fliehen müssen und Byeongdeok sich dazu gezwungen sieht, einen Dummkopf zu spielen. Er verliebt sich aber dann in Simcheong und geht nach China, um ihr Leben zu retten. Die Mutter gibt Simcheong die Schuld dafür, dass ihr Sohn sie verlassen hat, und plant daraufhin als Vergeltungsschlag, mit dem Vater von Simcheong anzubandeln. In dem Pansori Simcheongga war Bbaengdeoks Mutter lediglich eine komische Nebenfigur, in dem Märchen hingegen werden weitere Facetten offengelegt und zeigen sie als eine unabhängige Frau, die selbstbestimmt ihr eigenes Leben in die Hände nimmt. 


Musik

  1. Ausschnitt aus dem „Simcheongga“, gesungen von Kim Su-yeon 심청가 중 심봉사 뺑덕어미와 떠나는 대목 / 소리 김수연
  2. „Bei Bbaengdeok zuhause“, dargeboten von der Band von Lee Hui-jeong 뺑덕이네 / 이희정밴드
  3. „Bbaengdeok“, gesungen von Kim Yul-hui mit NST und Soul Sauce 뺑덕 / 김율희, 노선택과 소울소스

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