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Kultur

Yi Tae-jun: „Das Immobilienbüro“

#Literatur zum Hören l 2020-09-08

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank

Seo war ein hochgewachsener Mann mit dem roten Gesicht und den großen Augen Wenn er durch die Straßen ging und nach Leuten Ausschau hielt, die ein Zimmer oder eine Wohnung suchten, trug immer seinen Gat, einen traditionellen Hut mit breiter Krempe.

Am Anfang reichte sein Einkommen gerade einmal, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber nach einer Weile konnte er in Gahoi-dong ein großes Haus bauen und einige Jahre später hatte er auch begonnen, Land in der Nähe von Chang-dong aufzukaufen.

Er hätte sich selbst bemitleiden können und sich daran erinnern können, dass er einst doch ein stolzer Militäroffizier gewesen war. Er hätte sich elend fühlen können bei dem Gedanken, nun ein einfacher Immobilienmakler geworden zu sein, der sich sogar mit Prostituierten oder anderem Abschaum abgeben musste, wenn diese ein Zimmer suchten.

„Es hat keinen Sinn, über die Vergangenheit zu grübeln. Ich habe noch ein paar Jahre vor mir“, sagt er sich. 

Seo hatte vor, den Rest seines Lebens gutgelaunt zu verbringen. So wirkte er manchmal von Natur aus ein wenig albern und bedachte neuerdings auch die Leute in seiner Umgebung mit seinen Scherzen.

Kein Wunder, dass seine Persönlichkeit mit der von Ahn kollidierte, der in jedem seiner Sätze den Ausdruck „verdammt“ zu verwenden pflegte. Das klang dann so:

"Hey, Kollege, willst du was trinken?", fragte Seo.

"Mit dir trinke ich nicht, verdammt noch!“ antwortete Ahn.

Ahn war verärgert, weil er das Gefühl hatte, dass Seo auf ihn herabblickte.

"Glaubst du, das Glücksspiel bringt deine tote Mutter zurück?", fragte Seo.

Als Seo die Karten mit den Zehen umdrehte, wurde Ahn rot im Gesicht und schnaufte und schnaufte, bevor er schließlich aus dem Raum stürmte.




Yi Tae-jun (1904-?) zählt zu den Begründern der modernen koreanischen Kurzgeschichte. Seine Erzählung „Das Immobilienbüro“ stammt aus dem Jahr 1937.

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