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Nordkorea

Hallyu breitet sich in Nordkorea aus

#Blick auf Nordkorea l 2019-07-04

Schritte zur Wiedervereinigung

© KBS

Die Welle der südkoreanischen Pop-Kultur, auch als Hallyu bekannt, hat einen großen Teil der Welt erreicht. Auch im abgeschotteten Nachbarland Nordkorea erfreuen sich K-Pop, südkoreanisches Essen, Filme sowie Mode- und Schönheitsprodukte wachsender Beliebtheit. Dazu sagt Kang Mi-jin, die aus Nordkorea geflüchtet ist und jetzt bei der Online-Zeitung Daily NK in Südkorea arbeitet:


Südkoreanische Filme sind Anfang der 2000er Jahre in Nordkorea aufgetaucht, zuerst in den Grenzregionen. Ich hörte davon, dass die Bürger von Pjöngjang Mitte der 2000er begannen, südkoreanische Serien und Filme anzuschauen. Jetzt haben die Nordkoreaner überall Zugang dazu.  Südkoreanische TV-Serien und Filme wurden so populär, dass die Menschen, die nichts darüber wussten, sich nicht an Diskussionen darüber beteiligen konnten. Um darüber reden zu können, gaben viele Nordkoreaner ihr Geld für südkoreanische Filme oder Musik aus. 


In Nordkorea wurde südkoreanische Popmusik als “dekadent“ oder „gelber Staub des Kapitalismus“ verurteilt. Die Regierung verbot es den Bürgern, südkoreanische Filme oder Musik zu konsumieren. In der Vergangenheit wurden Leute, die dagegen verstoßen haben, verhaftet. Es drohte sogar die Todesstrafe oder eine lebenslange Haftstrafe. Doch im Jahr 2000 brachte der damalige südkoreanische Präsident Kim Dae-jung bei seinem historischen Besuch in Pjöngjang einige TV-Serien und Filme als Geschenk für den früheren Machthaber Kim Jong-il mit. Es war nicht lange danach, als über die chinesisch-nordkoreanische Grenze  immer mehr südkoreanische Kulturprodukte nach Nordkorea gelangten: 


Früher wurde den Nordkoreanern von Kindheit an gesagt, dass sie gegenüber Südkorea Feindseligkeit demonstrieren sollten. Doch nach der ernsten wirtschaftlichen Krise in den 90er Jahren begannen sie, die Gerüchte glaubhaft zu finden, dass es den Südkoreanern gut geht. Überzeugt wurden sie auch von Bildern aus Südkorea. Die nordkoreanischen Filme dienen meistens der ideologischen Erziehung und Propagandaaktionen. Die Bürger waren davon genervt. Vor diesem Hintergrund waren sie von den südkoreanischen Unterhaltungsprodukten fasziniert. 


Für die Nordkoreaner, die nicht frei reisen können, bedeutet Hallyu auch ein Fenster, durch das sie auf die Außenwelt blicken können. Insbesondere lernten sie durch die Kulturprodukte indirekt die Freiheiten und den Wohlstand im demokratischen Südkorea kennen: 


Anfangs wurden CDs und DVDs mit südkoreanischen Serien und Filmen von China nach Nordkorea geschmuggelt. Anfang 2010 begannen die Menschen damit, kleine USB-Flashspeicher zu benutzen, die einfacher zu verbergen waren. 


Die südkoreanischen Kulturprodukte wurden in der Regel auf den privaten Märkten, oder Jangmadang, gehandelt. Die Nordkoreaner konnten sich die Filme anschauen, soweit sie ein Notebook oder ein Videoabspielgerät hatten. Die Entwicklung der digitalen Medien macht es heute leichter, die Produkte vor den Behörden zu verbergen. Eine südkoreanische TV-Serie von 20 Episoden wurde nur eine Woche nach dem Ende auf CDs kopiert und auf den nordkoreanischen Märkten gehandelt. Populär wurden auch international erfolgreiche Serien und Filme wie etwa „Abkömmlinge der Sonne“ oder „Ode an den Vater“. Viele  Nordkoreaner mögen auch Unterhaltungsshows wie „Drei Mahlzeiten am Tag“ oder „2 Tage und eine Nacht“. Die Teenager sind besonders an K-Pop-Stars wie etwa der Boygroup BTS interessiert. Um die Verbreitung von Hallyu zu verhindern, kontrollierten die nordkoreanischen Behörden die Grenze zu China strenger und regelten sämtliche Medienausrüstungen, die Hallyu-Inhalte haben könnten. 


Wenn Sie in eine fremde Wohnung kommen, prüfen die Nordkoreaner oft, welche Produkte aus Südkorea die Bewohner besitzen und wie viele sie davon haben. Die Eltern wollen südkoreanische Artikel als Hochzeitsgeschenk für ihre Kinder kaufen, egal was sie kosten. Die nordkoreanischen Frauen sind mehr stolz auf südkoreanische Handtaschen als auf lokal gefertigte oder chinesische. Viele Bürger mögen südkoreanische Schuhe und tragen sie oft nur bei speziellen Anlässen. Eine Familie, die keine südkoreanischen Produkte hat, wird als arm angesehen. 


Der in den Filmen und in der Musik vermittelte Lebensstil der Südkoreaner verändert auch das Leben der Nordkoreaner. So trinken etwa immer mehr Nordkoreaner Instant-Kaffee, wie er in den südkoreanischen Serien und in der Werbung zu sehen ist. Viele Nordkoreanerinnen ahmen die Frisuren berühmter südkoreanischer Schauspielerinnen nach. Auch auf die Sprache wirkt sich die südkoreanische Popkultur aus. Im Gegensatz zu den Südkoreanern verwenden die Nordkoreaner nur selten die Höflichkeitsformen in Gesprächen. Doch der gewöhnliche Gebrauch dieser Formen in den Filmen beeinflusst auch die Sprechweise vieler Nordkoreaner:


Die südkoreanische Kultur und die Produkte erlauben es den Nordkoreanern, etwas für sie absolut Neues kennen zu lernen. In der südkoreanischen Sprache finden sie Respekt, Flexibilität und Sorge um andere. Das ist was anderes als das, was sie in ihrer geschlossenen Gesellschaft gesehen, gehört oder gelernt haben.

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