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Nordkorea

Die Nationalflagge Nordkoreas

#Blick auf Nordkorea l 2020-07-02

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Getty Images Bank

Die Länder der Erde benutzen bestimmte Farben und Formen, um in den Staatsflaggen ihre Traditionen und Ideale zum Ausdruck zu bringen. Was bedeutet die Nationalflagge Nordkoreas? Die Südkoreaner nennen sie “Ingonggi”, was soviel heißt wie die Flagge der Demokratischen Republik Koreas. Die Nordkoreaner nutzen dafür Wörter, die mit “blau- und rotgefärbte Fahne der Republik” oder “die rote fünfzackige Sternenflagge” übersetzt werden können. Zum Thema sagt Chung Eun-chan vom Institut für Vereinigungserziehung:  


Von der Befreiung Koreas von japanischer Kolonialherrschaft 1945 bis zum 24. Juli 1948 benutzte Nordkorea die Taegeukgi genannte Nationalflagge. Diese Fahne wurde später nur noch mit Südkorea verbunden. Die südkoreanische Regierung wurde offiziell durch Wahlen am 15. August 1948 etabliert. Doch Nordkorea erkannte das Wahlergebnis nicht an und rief am 9. September desselben Jahres seine eigene Regierung aus. Die neue Flagge für Nordkorea wurde von der Sowjetunion entworfen. Nach Artikel 170, Kapitel 7 der sozialistischen Verfassung Nordkoreas besteht die Nationalflagge aus einem zentralen roten Balken, der oben und unten von einem dünnen weißen Streifen sowie einem breiteren blauen Streifen umrandet ist. Der Balken trägt auf der linken Seite einen fünfzackigen Stern in einem weißen Kreis. Der rote Stern ist das universale Symbol des Kommunismus und Sozialismus. Der rote Balken repräsentiert die revolutionäre Tradition, während der blaue Streifen Souveränität, Frieden und Freundschaft symbolisiert. 


Dass die Flagge von der ehemaligen Sowjetunion entworfen wurde, wissen wir von Pak Il, der als Übersetzer der neuen Flaggenproduktion arbeitete. Pak war von 1946 bis Anfang 1948 Vizepräsident der Kim Il-sung-Universität: 


Die Sowjetunion entsandte unter Stalins Politik der Vergemeinschaftung einige Sowjet-Koreaner in den Norden der koreanischen Halbinsel. Professor Park war einer von ihnen. Er brachte Kim Il-sung zwei Stunden pro Tag und fünf Tage die Woche den Marxismus-Leninismus bei. Nordkorea beriet sich mit der Sowjetunion über die neue Flagge. Der damalige Politoffizier und Generalmajor Lebedew sagte, dass im nördlichen Teil Koreas bald ein neuer Staat entstehen werde und dass dieser eine neue Flagge benötige. Er fragte den Präsidenten der Kim Il-sung-Universität, Kim Tu-bong, was die Taegeukgi-Fahne bedeute, und Kim sagte, dass es gut wäre, die Flagge weiter zu benutzen, da sie die koreanischen Traditionen symbolisiere. Lebedew war dagegen und nannte das Unsinn. Später entwarf die Sowjetunion eine neue Flagge für Nordkorea. 


Auch wenn der Entwurf einer neuen Nationalfahne schon fertig war, wurde die Taegeukgi-Flagge zunächst noch weiter benutzt. Doch brauchte das Land ein neues Symbol im Einklang mit der Plattform der Arbeiterpartei, die die Etablierung des Sozialismus vorsah. Bei der fünften Sitzung der Volksversammlung am 10. Juli 1948 wurde die Taegeukgi-Fahne heruntergenommen und die neue Flagge zunächst auf Versuchsbasis gehisst. Mit der Etablierung der nordkoreanischen Regierung am 9. September wurde diese offiziell zur neuen Flagge: 


Nach dem testweisen Aufziehen der neuen Flagge am 10. Juli 1948 verkündete Nordkorea am 24. Juli, dass Taegeukgi verschwinden und eine neue Nationalflagge gehisst werde. Damals unterstützten einige Funktionäre, darunter auch Kim Tu-bong, die traditionelle Taegeukgi-Flagge. Er veröffentlichte ein Buch mit dem Titel “Über die Etablierung einer neuen Nationalflagge und die Abschaffung von Taegeukgi”. Er betonte, dass es unangemessen sei, die alte Flagge zu benutzen. Doch das Buch zeigte auch die Werte dieser Flagge. 


In Südkorea war die Nationalflagge Nordkoreas lange Zeit ein Tabu. Es gab daher Diskussionen über den Gebrauch der Flagge bei internationalen Sportveranstaltungen im Süden. Die nordkoreanische Flagge wurde zum ersten Mal in Südkorea während der Asien-Spiele 2002 in Busan gehisst. Damals herrschte nach dem ersten innerkoreanischen Gipfel 2000 eine versöhnliche Atmosphäre: 


Während der Asien-Spiele 2002 in Busan erlaubte es die südkoreanische Regierung den nordkoreanischen Athleten und Fangruppen, im Stadion ihre Nationalflagge zu zeigen. Die Flagge hing zuvor nur beim Organisationskomitee, im Pressezentrum und im Athletendorf. Nordkorea forderte, dass seine Flagge auch auf den Bussen seiner Delegation angebracht wurde, doch die Forderung wurde zurückgewiesen. Die Restriktionen hatten den Zweck, ideologische Streitereien in Südkorea zu verhindern. Vor der Sommeruniversiade in Daegu Ende August 2003 verbrannte eine Gruppe südkoreanischer Konservativer nordkoreanische Flaggen und ein Porträt des damaligen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il. Pjöngjang warf Südkorea vor, seine Regierung zu beleidigen und drohte, keine Sportler zu senden. Der damalige südkoreanische Präsident Roh Moo-hyun und das Vereinigungsministerium äußerten ihr Bedauern über den Schaden, der den Flaggen zugefügt worden sei. 


Vor zwölf Jahren konnten Südkoreaner, die die nordkoreanische Staatsflagge zeigten, noch wegen Verstoßes gegen das Nationale Sicherheitsgesetz angeklagt werden:


Nicht nur Südkoreaner, auch Ausländer konnten strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie die nordkoreanische Flagge zeigten oder deren Nutzung befürworteten. Nordkoreanische Flaggen tauchen manchmal in südkoreanischen Filmen und TV-Serien auf, in denen es um den Korea-Krieg geht. Regisseure und Produzenten können die Flagge vorübergehend nutzen, wenn sie eine Sondererlaubnis dafür haben. In Nordkorea sind ähnliche Vorschriften noch strenger. Wenn jemand mit der südkoreanischen Nationalflagge Taegeukgi aufgegriffen wird, droht ihm großer Ärger. Das ist die traurige Realität im geteilten Korea.

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