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Welt

Angst vor Pekings Zugriff: Immer mehr Hongkonger wollen auswandern

#Asien Kompakt l 2019-07-10

Kreuz und Quer durch Korea

© YONHAP News

Seit dem Beginn der Massendemonstrationen in Hongkong wollen immer mehr Bewohner der Sonderverwaltungszone auswandern. Laut einer taiwanesischen Zeitung seien beim Taipeh Wirtschafts- und Kulturbüro in Hongkong zahlreiche Anfragen zu einer Auswanderung nach Taiwan eingegangen. Die Zahl der Hongkonger, die aus der Inselmetropole wegziehen, ist in den letzten zwei Jahren um das Vierfache, von 6.100 auf 24.300 gestiegen. 


Dieses Jahr werde der Trend befeuert von der Angst der Hongkonger vor dem geplanten Auslieferungsgesetz, das auch Auslieferungen an die Volksrepublik ermöglichen würde. Die Beratungsbüros für Ausreisewillige sprechen von einer neuen Auswanderungswelle. Sie erhielten nach eigenen Angaben seit Beginn der Massendemonstrationen dreimal so viele Telefonanrufe von Hongkongern, die sich über den Erwerb einer anderen Staatsbürgerschaft erkundigen wollten. Eine Beraterin sagte, das geplante Auslieferungsgesetz habe die Menschen in ihrem Entschluss gestärkt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, Hongkong zu verlassen. Ein Bürger der Sonderverwaltungszone sagte, er sei gegen das Auslieferungsgesetz. Er wolle sich für den Fall mit der Möglichkeit, auswandern zu können, absichern. 


Außerdem wollen immer mehr Hongkonger mit einem Reisepass für britische Kolonien, der ihnen vor der Rückgabe Hongkongs an China, von Großbritannien ausgestellt wurde, auswandern. Darunter besitzen ungefähr 300.000 Hongkonger einen Reisepass für Kanada. Insbesondere wohlhabende Bewohner der Finanzmetropole fühlen sich von Festland China in ihrer finanziellen und politischen Freiheit bedroht. Einerseits gehen sie auf die Straßen, um gegen das Auslieferungsgesetz zu protestieren, andererseits erwägen sie im schlimmsten Fall, nach Kanada auszuwandern. Seit Mitte Juni gibt es auffallend viele Hongkonger, die sich in Vancouver ein Haus oder eine Wohnung kaufen. 


Viele Demonstranten befürchten eine Einschränkung der politischen Freiheit und Meinungsfreiheit durch Peking. Hinter den derzeitigen Protesten stehen aber auch finanzielle Gründe. Der Widerstand junger Demonstranten richtet sich vor allem gegen die astronomischen Wohnpreise in Hongkong. Wegen der Übersiedlung von Chinesen vom Festland stiegen die Immobilienpreise in Hongkong in den letzten zwei Jahren der Amtszeit von Verwaltungschefin Carrie Lam um nahezu 20 Prozent. Eine im März von der Chinesischen Universität Hongkong durchgeführte Umfrage ergab, dass 51 Prozent der Hongkonger zwischen 18 und 30 Jahren ernsthaft darüber nachdenken auszuwandern.

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